krautkrautkraut

die tulpen auf dem küchentisch fangen langsam zu faulen an.
außer dem dröhnen des kopfes und dem röchelnden husten keine geräusche zu vernehmen. ich schrieb schon wieder alles auf kleine papierfetzen, die ich mir dann in die hosentaschen stopfte, mit dem wissen, dass sie nichts mit der realität zu tun haben. dabei standen wir doch schon an der schwelle.
und alles nur an die haarschneidemaschine, die ihr trauriges dasein in dem angerosteten badezimmerschrank fristet.
die frau im kiosk ist noch immer unfreundlich zu mir, obwohl ich immer treu meinen tabak bei ihr kaufe.
dann wieder raus ins getümmel und aufhören: zu suchen.
es gibt eine ahnung. eine ahnung von den guten entscheidungen, die ich getroffen habe; dem leben, das noch immer nur im anfang steckt und noch immer wartet. dort vorne, dort zwischen bridget jones mit freunden, gitarrenklängen und abenden mit musik und wein und den vertrauten stimmen kann ich es schwingen hören.
club mate am mittag, ur-krostritzer am abend und muskote rund um die uhr.
ich mag es hier.
die dielen quietschen unter unseren schritten, wir beschließen parties und unterhalten uns am mittag in der küche während ich koche und wir erzählen von unseren gescheiterten liebesleben und dann kommen freunde vorbei.
am späteren abend waren die flaschen und die kleinen plastiktütchen dann leer, die gehirne ebenso, ohne einen funken anstand wanken wir so vor uns hin und fühlen uns frei.
der zauber ist verflogen, sobald die sonne wieder scheint und die romantischen tiraden spare ich mir lieber auf, für den, der sie verdient hat.

Passenger

Blau Und Rot Die Nacht Die Lichter
Wahnsinn Wein Klaviermusik

Wir trafen uns in einem Garten. Nein. Wir trafen uns in einer kalten Februarnacht vor einer bekannten Kneipe.
Wir tranken jeder zwei Biere, wir zerdrückten eine Zigarette nach der anderen in einem Aschenbecher, der silbern war, aber im Kerzenlicht golden erschien.
Wir setzten uns ins Fenster des Bundesverwaltungsgerichts, du bautest eine Tüte, wir schwiegen.
Der Kopf zerberstet unter dem Druck der Erkenntnis, die Welt entblößt ihre wahre Natur im Rausch.
Wir liefen. Durch die Straßen der Stadt, die mir ein zu Hause geworden ist, der Schutzumschlag meines kaputten Innenlebens; die Stadt in der du aufwuchst und in der du mit vierzehn Jahren anfingst zu rauchen, mit sechzehn deine erste Freundin fandest und mit zwanzig durch die heiligen Hallen bedruckten Papiers schlendertest.
Die Stadt, die mir ihre Wunder vor den Füßen ausbreitet und wissend lächelnd darauf wartet, was ich wohl mit ihnen anfangen werde. Die Stadt, die ich seit sechs Monaten mein Heim nenne.
Herausgespuckt aus dem Mutterschoß des Nichts finden wir uns in der Existenz wieder.
Ich weiß nicht, wieso du nicht gehen wolltest. Ich weiß nicht, wieso ich nicht gehen wollte.
Eine Eule flog über unsere Köpfe hinweg.

Get into the car, we’ll be the passenger
We’ll ride through the city tonight
We’ll see the city’s ripped backside
We’ll see the bright and hollow sky
We’ll see the stars that shine so bright
Stars made for us tonight
Oh the passenger
Oh how he rides
Oh the passenger

du last hermeneutik ich las holzfällen

[du gabst dich hin ich las die taz
/ BAADER Holst]

Am 4qm-Massivholztisch mit eingelassenen Eisenträgern zerbrach die Stille am Geräusch umgeblätterter Buchseiten und am Schrammen von Stuhlbeinen über Teppichboden.
Du last Hermeneutik ich las Holzfällen.
Über unsere Buchränder hinweg blickten wir uns an, immer dann wenn der andere in die zerbrochene Stille vor sich sah und so tat, als ob er über etwas nachdachte. In Wirklichkeit spürten wir den Blick des anderen ganz deutlich auf den Wangen. Manchmal ließen wir es darauf ankommen, uns in die Augen zu schauen.
Ich weiß nicht wie es weitergeht.
Du hattest einen Hut auf, eine Schirmmütze, einen Blazer, du hattest eine beige Hose an und einen grünen Pullover. Ich trug die Jeans, die so langsam auseinander fällt und als du aus dem stillen Raum hinaus liefst, lief ich dir hinterher. Du wartetest an der Tür, eine schwere Holztür mit geschnitzten Verzierungen, hieltst sie mir auf und blicktest mich erwartungsvoll an. Ich sagte hallo. Hallo, gehst du rauchen? Ja. Willst du auch? Ja. Ich hab aber keinen Tabak mehr. Da kann ich dir helfen.
Draußen lag Schnee. Draußen schrien die Krähen in dem orange beleuchteten Baum.
ICH WILL WISSEN WER DU BIST.

 

kotze

ER FÄHRT MIT DER HAND ÜBER MEINEN BAUCH, ER SAGT NICHTS, ER STARRT MICH NUR AN UND und dann finden seine finger die stelle zwischen meinen schamlippen und er dringt in mich ein und glotzt mich dabei an mit dieser schäbigen freude in seinem blick er sagt oh und ah und ich schaue nur zurück und fühle nichts und denke an den umzug und meine mutter und meine tante und er sagt oh und ah und ich schweige und lasse alles über mich ergehen über mich ergehen, ich lebe so drüber weg, als wär es nichts, es ist ja auch ncihts was ist das denn schon. Frau aus gold strickt leben aus betonpapier im Grauen der vorstadtjugend, im aufbruch der innenstadtadoleszens, im umbruch von APRIL.

gewalten.gesänge

Das Gefühl der dunklen Besessenheit wird immer weniger.
Immer mehr tauche ich aus dem Taumel der vergangenen Monate auf und kann endlich: schreiben.
Man versammelt sich an Tischen, trinkt Bier und rollt die obligatorische Zigarette bei französischen Chansons. Ich bilde mir ein, unsichtbar zu sein und sogleich wird alles leichter. Das Lächeln. Die Handbewegungen.
Bei gedämpftem Licht stürze ich mich am Abend in die Seiten bedruckten Papiers, wasche mir am Morgen das Gesicht in dem schlauchförmigen Badezimmer und trinke am Mittag einen Kaffee vor den Toren des Büchertempels.
Die Buchstaben pressen sich aus mir heraus, pressen sich in mich hinein, fließen aus meinem Kugelschreiber und aus meinen Fingerspitzen, fließen durch meine Augen in die Gehirnwindungen.
Es sei der Grund und die Bestimmung, sagt sie. Es ist eine naturgegebene Notwendigkeit, sage ich.
Draußen ist ein Anflug von Frühling zu erahnen, die Sonne scheint wieder so golden vom Himmel und beginnt, wieder Teil meiner Welt zu werden. Sie ist nicht mehr nur eine Statue, eine Kulisse.
Ich habe Lust, mich zu verlieben.
Der Ekel. Der Gesang. Ich will es zum klingen bringen.
Die Stadt beginnt ihr wahres Gesicht zu zeigen und sich zu lösen von den dunklen Ahnungen, die irgendwo aus den Abgründen meiner selbst entsprungen waren. Die Stadt ist nicht “böse”.
Der Dämon K. ist nicht böse. Er ist ein nichtssagender Mensch, ein Zweibeiner auf dieser runden Kugel, eine Person, die nur so viel Macht besitzt, wie man ihr in die Hand gibt. Ich sehe ihn die kahlgeschorenen Wege entlanglaufen, mit gebeugtem Rücken und dem Wippen in seinem Gang. Er läuft allein. Er läuft ganz einfach allein, wie jeder andere hier auch. Er ist nur ein Mensch.
Die Alpträume plagen mich nicht mehr, sie bieten mir den Stoff für die Umwandlung von der inneren Qual zu einer Geschichte.
Ich empfange sie freudig, nehme sie auf in meine Sammlung und weiß:
dass das Leben vielleicht alles ist
aber sicher nicht:

klein und scheiße.

Dantons Tod 1/5

MARION: [...] Die anderen Leute haben Sonn- und Werktage, sie arbeiten sechs Tage und beten am siebenten, sie sind jedes Jahr auf ihren Geburtstag einmal gerührt und denken jedes Jahr zu Neujahr einmal nach. Ich begreife nichts davon: ich kenne keinen Absatz, keine Veränderung. Ich bin immer nur eins; ein ununterbrochenes Sehnen und Fassen, eine Glut, ein Strom. Meine Mutter ist vor Gram gestorben; die Leute weisen mit Fingern auf mich. Das ist dumm. Es läuft auf eins hinaus, an was man seine Freude hat, an Leibern, Christusbildern, Blumen oder Kinderspielsachen; es ist das nämliche Gefühl; wer am meisten genießt, betet am meisten.

„Deine Mutter sieht voll fertig aus.“
„Sie ist ja auch vier stunden Auto gefahren und dann hab ich sie noch durch alle Sehenswürdigkeiten geschleift.“
„So richtig durch sieht die aus.“
L. schmiegte seinen kopf an ihre Schulter und umfasste mit einem Arm ihre Hüften.
„Ach, können wir jetzt nicht vögeln?“
Sie vergrub ihr Gesicht in den Kissen und atmete den muffigen Duft ein. Sie rochen nach Hund und jahrealten Verkrustungen aus Waschmittelresten.
Seine Hände gruben sich in ihr Hüftfleisch, er zog ihr T-Shirt nach oben, legte eine Hand auf ihre linke Brust und atmete sanft an ihrem Hals entlang.
„Deine Mutter sieht fertig aus.“

Das weiße Licht des Morgens drang leise durch die Fensterscheiben. Es liefen die ersten Menschen auf dem Gehsteig vor dem Haus entlang, ihre Köpfe warfen Schatten auf die mit Comic-Mäusen bedruckte Bettdecke.

an der regennassen scheibe fliegt ein schwarm raben vorbei.
ich will eigentlich nichts, außer mir das gesicht anmalen, die badewanne anmalen, die wände im flur anmalen.
ich will eigentlich nichts.
der geist von ffm lebt weiter, ich lebe weiter und egal in welcher straße man nun auch läuft: gemeinheiten können überall aufkommen.
zwei gegen eins passiert in jeder stadt und vielleicht trag ich das gen in mir, das gen
EINS.
man kann es abscannen, wenn die hüllen fallen und der brustkorb etwas unscharf ist.
und es gilt die leute zu finden, die sich nicht vergreifen an diesem brustkorb, die die unschärfe sehen und sich dennoch nicht hinstellen und sagen:
ZWEI.
und unter tränen laufen, das telefon am ohr, den kragen vors gesicht geklappt. hunger und nichts zu essen. hunger und nichts zu essen.
ich will eigentlich nichts.

2011

3.1.
schlafen, sich waschen, essen, bahn fahren, bus fahren, laufen, lesen. beschäftigungen, die aus der zeit gerissen worden sind. bald wird es sich wieder umdrehen. und wir sitzen schaurig schön auf sofas und sehen den wecker ticken. “bald bin ich hier weg”, tanze auf der straße und rede mit mir selbst. – es ist wieder zeit die stiefel zu schnüren, sich noch schnell ein paar striche um die augen zu malen und in das türkise taxi zu steigen.

20.3.
Und dann entstand >Olimpia<. “Ach! Ach!”, ein versteckter Blick hinter Haarbüscheln und ich, Nathanael, denke an Liebe, Verständnis, irgendwelche fucking Sommerabende in irgendwelchen fucking Feldern. Irgendeine Jugend, die man sich zurückwünscht, den Traum von der >Wellenlänge< und dem Mensch, der dieselbe Frisur hat wie man selbst.

16.4.
Ich habe dich getroffen, und es schien mir, als sei eine kleine übereinkunft zwischen uns. Du, der du doch grüne augen hast, wie das wasser hinter dir. Die haare auf den armen glitzerten nicht, olimpios, denn die sonne schien nur wenig.

19.4. – Madrider Kletterumland.
Die erste Minute seit Tagen, in der ich mich mal wieder fühle, als gehöre ich zu mir. – Komische Begegnungen mit Spaniern, die ich nicht verstehe werden ausgeblendet. Eine riesige Ameise untersucht genüsslich meine Kameratasche.
Es war keine Superconstellation mit der ich hier angekommen bin. Trotzdem: “Menschen sind anstrengend.” und ich denke vermehrt darüber nach, wie es wäre mit J. nach Italien zu fahren.

30.4.
Auf wackligen Liegestühlen trinken wir Campari. Die Sonne ist gerade untergenagen, es sind Fledermäuse über dem Wasser zu sehen. Ein Bekannter aus scheinbar längst vergangener Zeit hebt die Hand zum Gruß. Er schaut mich wissend an, etwas leidend, etwas verwirrt, weil ich da sitze mit einem Kerl, der nicht der Kerl ist, mit dem ich die letzten fünf Jahre rumsaß.

F. in den Straßen Madrids, ich in den Straßen meines Untergangs.
Niobe, die du auf den Trümmern stehst.
Auf den Trümmern stehe ich und sehe die Schornsteine rauchen.
Regen auf den staubigen Kopfsteinen; der Sommer der Vorstadt zeichnet sich durch Stille aus. Es sind vereinzelt Autos mit lauter Radiomusik zu hören, klappernde Fahrräder von Senioren und quatschende Fünftklässler auf dem Weg zum Fußballplatz.

22.5.
zigaretten am frühen morgen, wie in alten tagen. verschmierte wimperntusche, ein stinkendes bett und das gähnen des internets.

25.5.
Nagel, mein Bruder im Geiste, und ich auf der Freitagabendwalz.
55er kommt nicht, Fußweg zu >Zeilsheim BHF<; dreimillionen Erinnerungsstücke.
Freitagabend unter der Stadt, in den türkisen Ubahnen, den Schächten und Tunneln.

9.6.
I may not have gone where I intended to go, but I think I have ended up where I needed to be.

4.6.
Meine Fensterbank riecht nach Regen, wenn ich sie feucht abwische, weil mein Fenster Tag und Nacht offensteht und sich die Bestandteile der Außenwelt auf ihr ablagern. Ich sitze täglich mehrer Stunden hier und schaue mir an, wie immer wieder diesleben Leute mit denselben Hunden vorbeilaufen, wie dieselben Autos an mir vorbeifahren, wie der Himmel sich je nach Tageszeit färbt und wie die Vögel geschäftig an mir vorbeifliegen.

6.7.
dort, wo ich vor ein paar tagen war, schauen sich die menschen offen in die augen, sie schauen allesamt freundlich, interessiert und verständnisvoll, so, als ob sie zu dir gehören könnten, sie gehören alle zu dir, in den sekunden, in denen sie dir begegnen.

26.7.
Transformer of Leid & Queen of Schweigen.
Steady Fremdkörper.
Das vorherrschende Gefühl war seit jeher das Heimweh. Die Stadt gehört nicht mir, sie gehört den anderen, denen, die irgendwie wissen, was sie mit ihr anfangen sollen. Und vielleicht geht dieses Gefühl niemals weg. Vielleicht werde ich mich niemals in irgendeiner Menschenansammlung zugehörig fühlen, so ähnlich mir auch alles ist.
Es fällt mir schwer mich zu bedanken, es fällt mir schwer nett zu Menschen zu sein, die mir unsympathisch sind, es fällt mir schwer Anteilnahme zu zeigen. Ich bin immernoch manchmal heillos überfordert.

11.8.
Dear Zeilenlover.
Dear Last Days In Frankfurt.
Es beginnt die Zeit der Verabschiedungen und es ist wohl meine Art mich von dir zu verabschieden, dass ich hier sitze und warte dass du aus der Bahn steigst.
Dich zu beobachten wie du richtung U4 watschelst. Surreal.
Dabei haben wir uns am Bahnsteig geküsst-

13.8.
The traveler unpacked his bags -
Heute ist Sternschnuppennacht.  Diamond Life.
M. steht genau dann vor der Tür, wenn ich mich unsagbar einsam fühle. In der Bahnhofshalle werde ich von einem Rucksackbepackten Dreadmann erkannt und schelmisch angelächelt. Schicksalhafte Tage und verheißungsvolle Momente. Der Zauber überall. Und das Glück.

14.8.
Queen of Schweigen und Queen of Schweißausbruch.
In fremden Küchen werde ich interviewt und denke: Ich will hier weg, ich will allein sein, ich will nicht supernett sein, ich will nicht meine Mimik kontrollieren.
Habe Lust mich zu betrinken, meine beschissene Persönlichkeit wegzusaufen, mich abzuschießen, diese scheiß Angst und dieser scheiß Stock im Arsch und diese scheiß Unentspannheit. Meine soziale Inkompetenz will ich ertränken, meine Sinne taub machen für die Schwingungen im Raum.
Alles ist mir peinlich, es ist mir peinlich, dass alles mir peinlich ist.
Abschotten, wegkicken, ausknocken; ich bin “voll okay” und nichts weiter und ich kann hier niemandem sagen wie ich wirklich bin. Nämlich: gestört, rastlos, oftmals grundlos traurig und oftmals grundlos ängstlich.
Frankfurt am Main, der Dämon und die Alma Mater, die glitzernde Hochhausfassade und der Feldberg, wenn man die Farbenstraße entlang läuft.
WECKER TICKT.

15.9.
und gleichzeitig ahne ich, dass sich in ihm noch zahllose Abgründe befinden, von denen ich nicht weiß, ob ich sie hinabsteigen soll.
Du bist der Typ auf der Gondel, auf der Überführung in meine neue Welt. Und ich sage immer nur: weiß nicht.

25.10.
Was will ich schreiben?

28.11.
Notitzbuch noch voller Krümel aus dem Sommer. Sehnsucht nach dem See, der Barfüßigkeit, Pedalen auf nackter Haut und Haremshosen. Sehnsucht nach dem Unwillen sich zu berauschen.

7.12.
Novellenzyklus
G. Boccaccio; Decamerone

Benn: Gehirne

29.12.
And all of the ghouls come out to play
And every demon wants his pound of flesh
But I like to keep some things to myself
I like to keep my issues drawn
It’s always darkest before the dawn

Reiseschmodder

Im Zug nach Chemnitz Freitagabend kurz nach zehn: Eine exzentrische besoffene Sächsin mit rot-schwarzen Haaren, die von ihrer dreißigjährigen Tochter erzählt. Schauspielerin sei sie. Sie möchte von den >Studenten< am Platz gegenüber wissen, was sie so machen, künstlerisch und so. Brotlos! Alles nur scheiß Jobs!
Ich sitze mit Gambrinus im RE.
Ich habe mir heute Tabak gekauft.
>Die Ausländer< haben ja auch keine Ahnung wann es mit der Zugfahrt mal endlich weitergeht, brüllt sie in ihr Telefon. Wir stehen seit zwanzig Minuten in Bad Lausick.
Meine Mitfahrerin ist eine verschrockene Perlenohrringträgerin, ihr Schal ist helltürkis. Sie glotzt mich verdattert an bei allem was ich sage. Sie findet mich bekloppt und ich finde sie traurig.
Die Reise ist ernüchternd und zu kurz. Es zieht mich weiter weg als die hundert Kilometer, es zieht mich wieder mal irgendwohin, nur nicht hier bleiben, nur nicht bei mir bleiben.
Ein kahler, langweiliger Flur, eine dreckige Küche deren hochwertige Einbauküche die Lieblosigkeit nicht kaschieren kann. Bierflaschen und Gläser mit billigem Wein gefüllt. Bei meiner Ankunft wird erst mal ein prolliger Joint angezündet, es interessiert sich eigentlich keiner für mich, Hauptsache es kann endlich gekifft werden.
Alle lachen angestrengt und schrill.
Am nächsten Morgen dann wird in alter Frankfurter Manier diskutiert über die >richtige< Einstellung zu allem. Hauptsache man selbst kommt zu Wort. Nur dass ich mittlerweile überhaupt kein Bedürfnis mehr danach habe mich zu rechtfertigen für Dinge, die sowieso keinen etwas angehen.
Das Bett in dem ich schlafe steht in einem hässlichen Ikea-Zimmer mit extra gekauften farblich passenden Dekogegenständen. Es gibt einen Flachbildfernseher und im Regal stehen Bücher wie “Für immer vielleicht” und die Jolie.
Aber es geht primär sowieso um die Fahrt, den Rucksack, die Bahnhöfe.
Es geht um fremden Asphalt.

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