3.1.
schlafen, sich waschen, essen, bahn fahren, bus fahren, laufen, lesen. beschäftigungen, die aus der zeit gerissen worden sind. bald wird es sich wieder umdrehen. und wir sitzen schaurig schön auf sofas und sehen den wecker ticken. “bald bin ich hier weg”, tanze auf der straße und rede mit mir selbst. – es ist wieder zeit die stiefel zu schnüren, sich noch schnell ein paar striche um die augen zu malen und in das türkise taxi zu steigen.
20.3.
Und dann entstand >Olimpia<. “Ach! Ach!”, ein versteckter Blick hinter Haarbüscheln und ich, Nathanael, denke an Liebe, Verständnis, irgendwelche fucking Sommerabende in irgendwelchen fucking Feldern. Irgendeine Jugend, die man sich zurückwünscht, den Traum von der >Wellenlänge< und dem Mensch, der dieselbe Frisur hat wie man selbst.
16.4.
Ich habe dich getroffen, und es schien mir, als sei eine kleine übereinkunft zwischen uns. Du, der du doch grüne augen hast, wie das wasser hinter dir. Die haare auf den armen glitzerten nicht, olimpios, denn die sonne schien nur wenig.
19.4. – Madrider Kletterumland.
Die erste Minute seit Tagen, in der ich mich mal wieder fühle, als gehöre ich zu mir. – Komische Begegnungen mit Spaniern, die ich nicht verstehe werden ausgeblendet. Eine riesige Ameise untersucht genüsslich meine Kameratasche.
Es war keine Superconstellation mit der ich hier angekommen bin. Trotzdem: “Menschen sind anstrengend.” und ich denke vermehrt darüber nach, wie es wäre mit J. nach Italien zu fahren.
30.4.
Auf wackligen Liegestühlen trinken wir Campari. Die Sonne ist gerade untergenagen, es sind Fledermäuse über dem Wasser zu sehen. Ein Bekannter aus scheinbar längst vergangener Zeit hebt die Hand zum Gruß. Er schaut mich wissend an, etwas leidend, etwas verwirrt, weil ich da sitze mit einem Kerl, der nicht der Kerl ist, mit dem ich die letzten fünf Jahre rumsaß.
F. in den Straßen Madrids, ich in den Straßen meines Untergangs.
Niobe, die du auf den Trümmern stehst.
Auf den Trümmern stehe ich und sehe die Schornsteine rauchen.
Regen auf den staubigen Kopfsteinen; der Sommer der Vorstadt zeichnet sich durch Stille aus. Es sind vereinzelt Autos mit lauter Radiomusik zu hören, klappernde Fahrräder von Senioren und quatschende Fünftklässler auf dem Weg zum Fußballplatz.
22.5.
zigaretten am frühen morgen, wie in alten tagen. verschmierte wimperntusche, ein stinkendes bett und das gähnen des internets.
25.5.
Nagel, mein Bruder im Geiste, und ich auf der Freitagabendwalz.
55er kommt nicht, Fußweg zu >Zeilsheim BHF<; dreimillionen Erinnerungsstücke.
Freitagabend unter der Stadt, in den türkisen Ubahnen, den Schächten und Tunneln.
9.6.
I may not have gone where I intended to go, but I think I have ended up where I needed to be.
4.6.
Meine Fensterbank riecht nach Regen, wenn ich sie feucht abwische, weil mein Fenster Tag und Nacht offensteht und sich die Bestandteile der Außenwelt auf ihr ablagern. Ich sitze täglich mehrer Stunden hier und schaue mir an, wie immer wieder diesleben Leute mit denselben Hunden vorbeilaufen, wie dieselben Autos an mir vorbeifahren, wie der Himmel sich je nach Tageszeit färbt und wie die Vögel geschäftig an mir vorbeifliegen.
6.7.
dort, wo ich vor ein paar tagen war, schauen sich die menschen offen in die augen, sie schauen allesamt freundlich, interessiert und verständnisvoll, so, als ob sie zu dir gehören könnten, sie gehören alle zu dir, in den sekunden, in denen sie dir begegnen.
26.7.
Transformer of Leid & Queen of Schweigen.
Steady Fremdkörper.
Das vorherrschende Gefühl war seit jeher das Heimweh. Die Stadt gehört nicht mir, sie gehört den anderen, denen, die irgendwie wissen, was sie mit ihr anfangen sollen. Und vielleicht geht dieses Gefühl niemals weg. Vielleicht werde ich mich niemals in irgendeiner Menschenansammlung zugehörig fühlen, so ähnlich mir auch alles ist.
Es fällt mir schwer mich zu bedanken, es fällt mir schwer nett zu Menschen zu sein, die mir unsympathisch sind, es fällt mir schwer Anteilnahme zu zeigen. Ich bin immernoch manchmal heillos überfordert.
11.8.
Dear Zeilenlover.
Dear Last Days In Frankfurt.
Es beginnt die Zeit der Verabschiedungen und es ist wohl meine Art mich von dir zu verabschieden, dass ich hier sitze und warte dass du aus der Bahn steigst.
Dich zu beobachten wie du richtung U4 watschelst. Surreal.
Dabei haben wir uns am Bahnsteig geküsst-
13.8.
The traveler unpacked his bags -
Heute ist Sternschnuppennacht. Diamond Life.
M. steht genau dann vor der Tür, wenn ich mich unsagbar einsam fühle. In der Bahnhofshalle werde ich von einem Rucksackbepackten Dreadmann erkannt und schelmisch angelächelt. Schicksalhafte Tage und verheißungsvolle Momente. Der Zauber überall. Und das Glück.
14.8.
Queen of Schweigen und Queen of Schweißausbruch.
In fremden Küchen werde ich interviewt und denke: Ich will hier weg, ich will allein sein, ich will nicht supernett sein, ich will nicht meine Mimik kontrollieren.
Habe Lust mich zu betrinken, meine beschissene Persönlichkeit wegzusaufen, mich abzuschießen, diese scheiß Angst und dieser scheiß Stock im Arsch und diese scheiß Unentspannheit. Meine soziale Inkompetenz will ich ertränken, meine Sinne taub machen für die Schwingungen im Raum.
Alles ist mir peinlich, es ist mir peinlich, dass alles mir peinlich ist.
Abschotten, wegkicken, ausknocken; ich bin “voll okay” und nichts weiter und ich kann hier niemandem sagen wie ich wirklich bin. Nämlich: gestört, rastlos, oftmals grundlos traurig und oftmals grundlos ängstlich.
Frankfurt am Main, der Dämon und die Alma Mater, die glitzernde Hochhausfassade und der Feldberg, wenn man die Farbenstraße entlang läuft.
WECKER TICKT.
15.9.
und gleichzeitig ahne ich, dass sich in ihm noch zahllose Abgründe befinden, von denen ich nicht weiß, ob ich sie hinabsteigen soll.
Du bist der Typ auf der Gondel, auf der Überführung in meine neue Welt. Und ich sage immer nur: weiß nicht.
25.10.
Was will ich schreiben?
28.11.
Notitzbuch noch voller Krümel aus dem Sommer. Sehnsucht nach dem See, der Barfüßigkeit, Pedalen auf nackter Haut und Haremshosen. Sehnsucht nach dem Unwillen sich zu berauschen.
7.12.
Novellenzyklus
G. Boccaccio; Decamerone
Benn: Gehirne
29.12.
And all of the ghouls come out to play
And every demon wants his pound of flesh
But I like to keep some things to myself
I like to keep my issues drawn
It’s always darkest before the dawn